6. Rückzug zählt

Offene Lernbereiche brauchen nicht nur Weite, Bewegung und Kommunikation, sondern ebenso Orte der Ruhe, Konzentration und persönlichen Ansprache. Gerade eine Jenaplanschule, die auf eigenverantwortliches Arbeiten, altersgemischte Stammgruppen, projektorientiertes Lernen und gemeinschaftliches Lernen setzt, braucht räumliche Gegengewichte: kleine, geschützte Bereiche im großen offenen Lernraum.

Im Jenaplan-Verständnis ist Schule nicht nur Unterrichtsraum, sondern Lebens-, Arbeits- und Gemeinschaftsort. Kinder und Jugendliche lernen miteinander, voneinander und zunehmend eigenverantwortlich. Damit das gelingt, müssen sie zwischen unterschiedlichen Arbeitsformen wechseln können: Gespräch, Gruppenarbeit, Projektarbeit, Einzelarbeit, Beratung und Rückzug.

Offene Lernflächen funktionieren deshalb nur, wenn sie nicht einfach „groß und offen“ sind. Sie brauchen klar erkennbare Zonen: kommunikative Bereiche, Arbeitsbereiche, ruhige Nischen, akustisch geschützte Boxen und kleine Beratungsräume. Rückzug ist dabei kein Gegensatz zur Offenheit, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Offenheit pädagogisch tragfähig wird.

Die Jenaplanschule Weimar versteht Schule als offenen Lernraum, in dem Kinder und Jugendliche kommunikativ voneinander, miteinander und untereinander lernen; Ort, Sozialform und Inhalte können sie im Rahmen des Lehrplans mitgestalten, während das pädagogische Team begleitet, berät und unterstützt.
Genau dazu passt der bauliche Ansatz von Schulbau Open Source: offene Lernlandschaften werden durch akustisch entkoppelte Boxen, Differenzierungsbereiche und geschützte Beratungsräume ergänzt. So entsteht nicht nur Offenheit, sondern eine pädagogisch strukturierte Offenheit.

Fall:
Eine Schule möchte offene Lernflächen einrichten. Das Kollegium befürchtet aber, dass dadurch Unruhe, Lärm und Konzentrationsprobleme entstehen.

Aufgabe:
Nenne mindestens fünf räumliche und organisatorische Gegenmaßnahmen, damit offene Lernbereiche pädagogisch funktionieren.

Mögliche Lösungen:

Akustikflächen an Decken und Wänden
Rückzugszonen für Einzel- und Partnerarbeit
akustisch geschützte Beratungsräume
klare Regeln für laute und leise Arbeitsphasen
Zonierung nach Arbeitsformen
mobile Trennelemente
kleine Räume im großen Raum
feste Ruhebereiche
sichtbare Nutzungsregeln
gute Aufsicht und Sichtbeziehungen

Beispiel Jenaplanschule Weimar