Schulbau Opensource Jenaplanschule Weimar
| Website: | Bildungsportal Landeshauptstadt Magdeburg |
| Kurs: | Lernraumgestaltung |
| Buch: | Schulbau Opensource Jenaplanschule Weimar |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Samstag, 20. Juni 2026, 23:08 |
1. Worum geht es?
- Raum beeinflusst Lernen.
- Raum beeinflusst Verhalten.
- Raum beeinflusst Selbstständigkeit.
- Schulträger planen nicht nur Gebäude, sondern Lernbedingungen.

Aufgabe:
„Nenne einen Raum in deiner Schule oder in deinem Arbeitsumfeld, der Lernen erleichtert, und einen Raum, der Lernen erschwert.“
2. Lernen braucht Zonen
Ein Klassenraum kann nicht alle Lernformen gleich gut leisten. Moderne Lernräume arbeiten deshalb mit Zonen.
- Input
- Einzelarbeit
- Gruppenarbeit
- Beratung
- Rückzug
- Präsentation
- Bewegung
- Begegnung
Schulbau Open Source Weimar beschreibt Lerncluster mit Stammgruppenbereichen, gemeinsamer Mitte, Differenzierungsbereichen, Teamstation, Garderobe und Teeküche.
Beispielbild Teeküche Jenaplanschule Weimar

Verlagerung des Lernens nach draußen (Jenaplanschule Weimar)
Möblierung auf Flächen war zum Einzugszeitpunkt noch ausstehend

Sonnensegel waren zum Einzugszeitpunkt noch nicht angebracht

iTech Hamburg


3. Flexible Fläche
Unterricht wechselt zwischen Input, Übung, Projekt, Gespräch und Präsentation. Der Raum muss diesen Wechsel ermöglichen.
- bewegliche Möbel
- freie Mitte
- nutzbare Wandflächen
- keine festgelegte Raumlogik
- Fläche kann sich an Pädagogik anpassen
Im Weimarer Schulbau-Open-Source-Konzept wird eine klare Trennung von Tragstruktur und Ausbau beschrieben. Dadurch bleiben Flächen wandelbar und können bei pädagogischer Weiterentwicklung verändert werden.
Heute braucht eine Schule vielleicht klassische Klassenräume. In zehn Jahren möchte sie mehr offene Lernlandschaften, Teamräume, Differenzierungsbereiche oder Projektflächen. Wenn nur wenige Wände tragend sind und der Innenausbau flexibel bleibt, kann man Räume leichter umbauen, zusammenlegen oder neu zonieren.
Ein Schulgebäude sollte nicht nur für den Unterricht von heute gebaut werden. Wenn Tragwerk und Innenausbau getrennt geplant werden, bleiben Räume veränderbar: Wände, Möbel, Lernbereiche und technische Anschlüsse können angepasst werden, ohne das ganze Gebäude umzubauen. So kann Schule auf neue pädagogische Konzepte reagieren.
Betrachte das Beispielbild. Markiere:
- Was ist fest?
- Was ist beweglich?
- Was kann mehrfach genutzt werden?
- Wo wäre ein schneller Wechsel der Unterrichtsform möglich?



Schulen aus Hamburg (iTech u.a.)


4. Mitte statt Flur
- gemeinsame Mitte
- Lernfläche statt Verkehrsfläche
- Flur als Lernort
- Nischen
- Sichtbeziehungen
- Kann dort eine Kleingruppe arbeiten?
- Gibt es Sichtbezug zur Aufsicht?
- Ist der Fluchtweg frei?
- Gibt es Strom/WLAN?
- Ist die Akustik erträglich?
- Gibt es klare Nutzungsregeln?
Flurbereich Lerncluster mit Materialfächern (Jenaplanschule Weimar)

Flurbereich Lerncluster mit Garderobe und Anschrieb-Flächen (Jenaplanschule Weimar)





5. Sichtbar sein
Sichtbarkeit erleichtert Aufsicht und senkt Hemmschwellen. Gleichzeitig brauchen Beratung, Konflikte und konzentriertes Arbeiten geschützte Bereiche.
In Weimar werden transparente Wände, Blickbeziehungen und einsehbare Clusterbereiche als Teil der räumlichen Logik beschrieben. Aber: es gibt oft die Möglichkeit, über Vorhang-Lösungen einen geschützten Arbeitsbereich herzustellen.
Beispielbild Sekretariat Jenaplanschule Weimar

Beispiel Lernbereiche


6. Rückzug zählt
Offene Lernbereiche brauchen nicht nur Weite, Bewegung und Kommunikation, sondern ebenso Orte der Ruhe, Konzentration und persönlichen Ansprache. Gerade eine Jenaplanschule, die auf eigenverantwortliches Arbeiten, altersgemischte Stammgruppen, projektorientiertes Lernen und gemeinschaftliches Lernen setzt, braucht räumliche Gegengewichte: kleine, geschützte Bereiche im großen offenen Lernraum.
Im Jenaplan-Verständnis ist Schule nicht nur Unterrichtsraum, sondern Lebens-, Arbeits- und Gemeinschaftsort. Kinder und Jugendliche lernen miteinander, voneinander und zunehmend eigenverantwortlich. Damit das gelingt, müssen sie zwischen unterschiedlichen Arbeitsformen wechseln können: Gespräch, Gruppenarbeit, Projektarbeit, Einzelarbeit, Beratung und Rückzug.
Offene Lernflächen funktionieren deshalb nur, wenn sie nicht einfach „groß und offen“ sind. Sie brauchen klar erkennbare Zonen: kommunikative Bereiche, Arbeitsbereiche, ruhige Nischen, akustisch geschützte Boxen und kleine Beratungsräume. Rückzug ist dabei kein Gegensatz zur Offenheit, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Offenheit pädagogisch tragfähig wird.
Die Jenaplanschule Weimar versteht Schule als offenen Lernraum, in dem Kinder und Jugendliche kommunikativ voneinander, miteinander und untereinander lernen; Ort, Sozialform und Inhalte können sie im Rahmen des Lehrplans mitgestalten, während das pädagogische Team begleitet, berät und unterstützt.
Genau dazu passt der bauliche Ansatz von Schulbau Open Source: offene Lernlandschaften werden durch akustisch entkoppelte Boxen, Differenzierungsbereiche und geschützte Beratungsräume ergänzt. So entsteht nicht nur Offenheit, sondern eine pädagogisch strukturierte Offenheit.
Fall:
Eine Schule möchte offene Lernflächen einrichten. Das Kollegium befürchtet aber, dass dadurch Unruhe, Lärm und Konzentrationsprobleme entstehen.
Aufgabe:
Nenne mindestens fünf räumliche und organisatorische Gegenmaßnahmen, damit offene Lernbereiche pädagogisch funktionieren.
Mögliche Lösungen:
Akustikflächen an Decken und Wänden
Rückzugszonen für Einzel- und Partnerarbeit
akustisch geschützte Beratungsräume
klare Regeln für laute und leise Arbeitsphasen
Zonierung nach Arbeitsformen
mobile Trennelemente
kleine Räume im großen Raum
feste Ruhebereiche
sichtbare Nutzungsregeln
gute Aufsicht und Sichtbeziehungen
Beispiel Jenaplanschule Weimar



7. Begegnung planen
Schule braucht nicht nur Unterrichtsräume, sondern auch Orte für kurze Gespräche, Teamarbeit, Beratung und Beziehung.
- Teeküche
- Sitznische
- Teamstation
- Gesprächsort
- informelle Kommunikation
- Beziehung
Im Weimarer Lernloft bildet eine Teeküche mit großem Tisch das „Herz“ des Clusters und erweitert die Nutzungsmöglichkeiten.
Besprechungsraum Jenaplanschule Weimar



Arbeitsfrage
Welche Gesprächsorte fehlen in klassischen Schulen?
- Schüler / Lehrkraft
- Eltern / Schule
- Schulsozialarbeit
- Teamgespräche
- kurze Konfliktklärung
- informelles Lernen
8. Eigenständig lernen
Eigenverantwortliches Lernen braucht Orte, an denen Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten, Material finden, Hilfe bekommen und Ergebnisse zeigen können.
- Lernatelier
- Marktplatz
- eigener Arbeitsplatz
- Selbstorganisation
- Verantwortung
- Lernbüro
- Projektarbeit
Die Jenaplanschule beschreibt Selbstständigkeit ausdrücklich als Schlüsselbegriff: Kinder sollen Lerninhalte mit auswählen, ihr Vorgehen planen, Hilfsmittel nutzen, passende Lernpartner finden, Hilfe geben und Hilfe annehmen. Gleichzeitig bleibt die Stammgruppe der soziale Ausgangspunkt: Sie ist „Zuhause“, Orientierungspunkt und Organisationskern des Lernens.
Die Jenaplanschule Weimar unterstützt eigenständiges Lernen räumlich, indem sie keine starren Klassenraumstrukturen in den Mittelpunkt stellt, sondern eine gegliederte Lernlandschaft schafft. Die Schülerinnen und Schüler haben mit ihrer Stammgruppe einen festen sozialen Ausgangspunkt, können aber je nach Aufgabe zwischen unterschiedlichen Arbeitsformen und Orten wechseln: konzentrierte Einzelarbeit, Partner- und Gruppenarbeit, Beratung, Projektarbeit oder Rückzug.
Der Neubau unterstützt diese Idee durch große, flexible Lernbereiche, die nicht beliebig offen sind, sondern durch Zonen, kleinere Räume, akustisch geschützte Bereiche und Beratungsorte strukturiert werden. So entsteht Freiheit mit Orientierung. Die Montag Stiftung hat diesen Ansatz im Planungsprozess gestärkt, indem die Pädagogik der Jenaplanschule zum Ausgangspunkt des Gebäudes gemacht wurde. Die Trennung von Tragstruktur und Ausbau sorgt außerdem dafür, dass Räume auch später an neue pädagogische Anforderungen angepasst werden können.




Die Alemannenschule Wutöschingen verbindet Lernatelier, Marktplatz, Gruppeninstruktion, Beratung und besondere Lernorte. Dort wechseln Schülerinnen und Schüler weitgehend selbstbestimmt zwischen Arbeitsformen.
Aufgabe
Entwirf für eine Bestandsschule drei einfache Raummaßnahmen für mehr eigenständiges Lernen.
Beispiele:
- ruhige Arbeitszone im Flur
- Materialstation
- kleiner Beratungsplatz
- feste Projektwand
- mobile Tischgruppen
- Selbstlernraum mit klaren Regeln
9. Technik mitdenken
Technik darf nicht nachträglich an den Raum „angehängt“ werden. Sie muss flexible Nutzung ermöglichen.
In der Jenaplanschule Weimar wird Technik nicht nachträglich an fertige Räume „angehängt“, sondern als flexible Infrastruktur mitgeplant. Weil Schülerinnen und Schüler zwischen Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Beratung, Präsentation und Rückzug wechseln, müssen Strom, WLAN, Daten und Licht an verschiedenen Orten nutzbar sein – nicht nur an einer festen Tafelwand.
Konkret geschieht das durch flächendeckendes WLAN, zugängliche Leitungswege und offene Kabeltrassen an den Decken. Dadurch können Anschlüsse später ergänzt oder verändert werden, ohne den Raum grundlegend umzubauen. Auch die Beleuchtung bleibt flexibel: Deckensteckdosen, Haken und ergänzende Leuchten ermöglichen es, Arbeitsbereiche je nach Nutzung neu zu zonieren.
So unterstützt die Technik die pädagogische Idee: Räume bleiben wandelbar, Lernorte können sich verändern, und offene Lernlandschaften lassen sich praktisch nutzen.








Anschaulich wird das auch in der iTech Hamburg.

